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Eigentlich wollte ich nur das Hafenfest geniessen…

Doch wie schon so oft blieb es bei diesem Wunsch. Einmal mehr wird Carima von unheimlichen Kreaturen heimgesucht. Herminone machte mich beim Hafenfest darauf aufmerksam, dass sie auf dem Weg zum Fest in der Nähe der Kirche von seltsamen Wesen attakiert wurde. Sofort war meine Aufmerksamkeit geweckt. Ich machte mich schnellstmöglich auf den Weg zur Stadtwache und bewaffnete mich dort mit Schwert und Schild. Diese Sache wollte ich mir nicht ohne Waffen näher ansehen. Als ich die Kirche erreichte, machten sich erste Zweifel bei mir bemerkbar, ob es eine gute Idee war, hier alleine her zu kommen. Die seltsamen Wesen liesen dann auch nicht lange auf sich warten. Als hätte sie die Hölle höchstpersönlich wegen ihrer missratenen Gestalt ausgespuckt, stiegen sie wie Geister aus dem Boden. Ohne jede Vorwarnung und ohne auf meine Zurufe zu reagieren, kamen sie auf mich zu und begannen mich anzugreifen. Ich wich zurück und schlug mit meinem Schwert auf sie ein. Obwohl sie sehr ungelenk wirkten, durfte man sie nicht unterschätzen.

Es war höchst irritierend für mich, dass sie offenbar keinerlei Anstalten machten, sich selbst zu schützen. Der einzige Vorteil daran war, dass man sie so relativ leicht besiegen konnte. Nachdem ich die Angreifer glücklich geschlagen hatte, stieg bereits ein leichter Triumpf in mir auf. Doch dieser wurde sehr schnell getrübt, als ich mich bei neuerlicher Näherung der Stelle, wo die Kreaturen aufgetaucht waren, mich wieder einer neuen Gruppe dieser Gestalten gegenüber sah. Wie es aussah, gab es einen unerschöpflichen Vorrat an diesen ungelenken Wesen.

Kurze Zeit danach hatte sich bereits eine grössere Gruppe bewaffneter Bürger eingefunden. Scheinbar hatten bereits auch andere festgestellt, dass hier etwas unheimliches vor sich ging. Ich hatte mich derweil entschieden, nochmal zur Stadtwache zurück zu kehren und Schwert und Schild gegen einen Bogen zu tauschen. Bei meinem letzten Kontakt waren mir die Wesen eindeutig zu nahe gekommen und es erschien mir klüger, sie ob ihrer trägen Bewegungen aus der sicheren Ferne zu bekämpfen. Ein Hinweis anwesender Leute lies auch vermuten, dass auch bei den Mönchen solche Wesen bereits aufgetaucht waren. Als ich mich auf schnellstem Wege dorthin begeben hatte, konnte ich zwar verdächtige Zeichen vorfinden – die Mönche waren jedoch ebenso wenig anzutreffen, wie diese Wesen.

Vor der Kirche versuchte ich dann diese Kreaturen durch Bannzeichen in Schach zu halten. Leider nur mit mässigem Erfolg. Carima sieht sich einmal mehr einer schlimmen Bedrohung gegenüber…

Gleichzeitig mit der Freunde über die Gesundung unserer Königin haben wir die schockierende Nachricht erhalten, dass Herzogin Jil auf wundersame Weise verschwunden ist. Mir persönlich ist dies ein Rätsel. Da ich auch die Leitung der königlichen Wache zu meinen Aufgaben zähle, beängstigt mich der Umstand, dass sie mehr oder weniger unter meinen Augen aus dem Schloss verschwunden ist. An eine Entführung mag ich nicht so wirklich glauben. Irgend jemand von der Schlosswache hätte mir sofort jedwede Ungereimtheit oder Unregelmässigkeit gemeldet. Das Gerücht um eine Verschleppung durch eine Art Geheimbund macht die Sache nicht hilfreicher. In jedem Fall wurde ich von unserer Königin beauftragt, mich der Sache anzunehmen und in der Tat werde ich dieser Angelegenheit genauestes Augenmerk schenken. Nicht auszudenken, welchen Eindruck ein solches Verschwinden auf die Ordnung in der Stadt hat. Ich habe mich sicherheitshalber in den königlichen Gemächern genaustens umgesehen – konnte jedoch nichts auffälliges entdecken. Daher habe ich mich dazu entschlossen, hier verdeckt arbeiten zu lassen. Falls es eine Verschwörung gibt, werde ich dieser auf die Spur kommen. So wahr ich der Bürgermeister von Carima bin!

Es war mir schon lange ein Dorn im Auge: königliche Hoheiten sollen nicht – nein, vielmehr sie dürfen nicht – stehen bei Audienzen. Wer auch immer letztlich den Thron der Königin gestohlen haben mag, es musste Abhilfe geschaffen werden. Und zwar schnell. Aus diesem Grund hatte ich die Finanzen der Stadt nochmals überprüft und zu meiner Freude festgestellt, dass wir uns diese Ausgabe leisten konnten. Das Volk von Carima ist für seine Tüchtigkeit weithin bekannt und nachdem es mir gelungen ist, die Ausstattung der Bürgerwehr und der Feuerwache mit nur geringen finanziellem Aufwand zu beschaffen, bleibt genug Reserve übrig.  Ich hatte diesen Polster für schwierige Zeiten angelegt. Offen gestanden war die Anschaffung der Thröne nicht gerade billig, aber ich bin stolz, dass wir der Königin nach ihrer erfreulichen Gesundung endlich auch einen angemessenen Sitzplatz für die Audienz anbieten können. Es soll ihr zeigen, wie stolz Carima’s Bürger auf ihre Königin sind. Und letztlich kommt die Freude der Königin auch dem Volk wieder zugute.

Das Volk fühlt sich offenbar sehr wohl. Das kann man auch daran erkennen, dass uns einmal mehr eine Hochzeit zuteil wurde. Chris und Hugole Hexicola gaben sich unter den Augen einer stattlichen Anzahl von Einwohnern vor Königin Linde das Ja-Wort. Es war wie üblich eine ergreifende Zeremonie und man konnte förmlich spüren, wie viel Liebe zwischen den Beiden zu ihrer Bindung geführt hatte. Secretarius Rollo hatte seinen ersten Auftritt vor der Königin und bei beschwingtem Tanz konnte er unsere Majestät durchaus beeindrucken. Der junge Mann macht sich sehr gut und war offenbar eine ausgezeichnete Wahl für diese wichtige Aufgabe.

Auch ich selbst machte an diesem Abend eine neue Bekanntschaft. Eine neue Bürgerin wurde von mir zum Tanz geführt und ich muss gestehen, dass sie mich einigermassen verwirrt hat. Dieses Frauenzimmer verfügt über eine so scharfe Zunge, dass sie damit problemlos Steine schneiden könnte. Es geschieht nicht oft, dass man mich in Verlegenheit bringen kann, aber sie hat es mehrfach geschafft. Vielleicht sollte ich mich doch bei einer neuerlichen Begegnung mit ihr besser mit Waffen ausstatten, damit ich ihr nicht schutzlos gegenüber stehe …

Durch einen glücklichen Zufall bin ich nun endlich zu einem Secretarius gekommen. Da die Arbeit im Amtshaus sehr zeitraubend ist, suche ich ja bereits seit geraumer Zeit nach einer Arbeitskraft, die mich unterstützt. Da jedoch ein eklatanter Mangel an jenen Personen herrscht, die des Lesens und Schreibens mächtig sind, hatte ich bisher noch niemanden gefunden. So war es ein mehr als erfreulicher Wink des Schicksals, als mir ein junger Mann begegnete, der mir sein Leid klagte, dass er mehr oder weniger mittellos sein. Ich hatte Mitleid mit dem guten Manne und empfahl ihm sogleich, sich an Sergio im Armenhaus zu wenden. Im Laufe des Gesprächs stellte sich zu meinem Erstaunen heraus, dass er lesen und schreiben konnte. Ich sah dies als einen Wink des Himmels an und entschloss mich kurzum dazu, ihn in meine Dienste als Secretarius zu nehmen. Mein Gefühl sagt mir, dass ich diesen Schritt nicht bereuen werde. Ich habe ein sehr gutes Gefühl, was Rollo Breen anbelangt.

Gestern habe ich bei einem Ausflug durch die Ländereien von Carima etwas erstaunliches entdeckt. Auf einer Halbinsel nahe Avalon steht eine alte verlassene Ruine, die offenbar neue Bewohner gefunden hat. Die zahmen Wölfe, die immer wieder durch die Stadt ziehen und mittlerweile schon ein fester Bestandteil unserer Heimat geworden sind, haben von der Ruine Besitz ergriffen und hinter den eingefallenen Gemäuern entdeckte ich sogar eine einfache Höhle. Es freut mich sehr, dass diese ansich doch gefährlichen Tiere sich doch so gut bei uns eingelebt haben. Die anfänglichen Bedenken der Bürger haben sich als nicht berechtigt erwiesen und noch niemals habe ich Beschwerden über Angriffe oder Belästigungen durch die Wölfe gehört. Ich persönlich denke, dass sie unsere Stadt sinnvoll bereichern und man sollte nicht ausser Acht lassen, dass sie unter Umständen auch einen gewissen Schutz für unsere Bürger darstellen können. Das setzt natürlich auch voraus, dass wir sie weiterhin mit Anstand behandeln und darauf achten, dass sie sich bei uns wohlfühlen. So verrückt die Idee, die Tiere in unsere Gemeinschaft aufzunehmen und zu akzeptieren anfangs auch geklungen haben mag, so sicher scheint mir jetzt, dass es eine gute Entscheidung war, die wir sicherlich nicht bereuen müssen.

Als mich Emily fragte, ob ich ihr Brautführer bei der Hochzeit sein wolle, war ich sehr stolz darauf. Emily und Mog haben sich mittlerweile für mich zu gute Freunde entwickelt und sie sind ein Paar, das sicher noch viele schöne Stunden miteinander verbringen wird hier in Carima. Als wir oben beim Ballsaal Aufstellung nahmen, konnte man die Aufregung von Emily und ihrer Tochter Silke beinahe spüren. Der Einzug in den Ballsaal zeichnete sich dann auch durch seine formelle Würde und das schöne Ambiente aus. Emily sah in ihrem Kleid wirklich wunderschön aus und als wir letztlich vorne bei Mog ankamen, konnte man förmlich das Klitzern in seinen Augen sehen. Die Königin vollzog in gewohnter Professionalität die Hochzeit und es war ein beeindruckendes Schauspiel für die zahlreichen Anwesenden. Zwischen Mog und Emily spürte man richtig das Knistern ihrer Liebe und es war ein sehr bewegendes Erlebnis. Bei der anschliessenden Feier wurden wir mit einem Schauspiel der Gaukler erfreut und mit Tanz und einer festlichen Tafel klang der Abend würdig aus.

Nach all den Aufregungen der letzten Tage habe ich mit einer gewissen Zufriedenheit bei meinem Rundgang durch die Stadt festgestellt, dass endlich wieder etwas Ruhe in unsere geliebte Stadt eingekehrt ist. Noch bin ich nicht ganz zufrieden, aber sobald die Bürgerwehr ihre Arbeit aufgenommen hat und auch die Feuerwache darauf achtet, dass keine Brandherde entstehen können, dürften sich in naher Zukunft die Probleme in Grenzen halten. Mir fällt auch auf, dass die Bürger wieder um einiges ruhiger geworden sind. Keine bösen Stimmen mehr zu hören und es herrscht wieder die gewohnte Eintracht. Es wäre nur zu wünschen, wenn es dabei bleiben könnte.

Normalerweise verbringe ich ja ganz gerne meine Zeit bei diversen Bällen der Königin. Doch heute wollte ich mir um keinen Preis das Beltane-Fest im Wald entgehen lassen. Emily hatte mich freundlicher weise dazu eingeladen. Die üblichen Geschäfte hielten mich zwar lange davon ab, aber nach den anstrengenden Arbeiten tat es mir gut, mich ein wenig im Wald zu entspannen. Als ich mit meinem neuen Begleiter Radcliffe dort ankam, war das Fest bereits voll im Gange. Es wurde viel getanzt und die schöne Musik lud zum fröhlichen Zusammensein ein. Am Feuer drehte sich ein prächtiger Braten am Spiess und ich merkte bereits, dass mein Magen um Unterstützung bat. Duncan wirkte schon etwas sehr fröhlich und hatte wohl ein wenig viel vom Alkohol erwischt. Nun, es sei ihm in Anbetracht der fröhlichen Runde durchaus vergönnt. Als ich das Fest letztlich verlies, stellte ich erfreut fest, wie gut es mir getan hatte.

Wie das Leben so spielt. Radcliffe Denimore bat mich darum, ihm einige Aufgaben bezüglich der Ritterschaft näher zu erläutern, was ich natürlich gerne tat. Radcliffe erzählte mir dabei, er würde sich für die königliche Wache interessieren und daher überlegte ich mir, ob ich meinen Freund Tomy fragen sollte, ob er mir den Knappen überlassen würde. In letzter Zeit gab es ja auch immer wieder Situationen, wo ich mir Unterstützung in gefährlichen Momenten gewünscht hätte. Somit würde der Knappe auch einiges zu meinem eigenen Schutze beitragen und gleichzeitig auf seine zukünftige Aufgabe vorbereitet werden. Radcliffe schien von dieser Idee begeistert und bat mich um Intervention bei seinem Lehrmeister. Dem will ich gerne nachkommen. Ich versuchte ihm einige Ziele und Aufgaben der Ritterschaft näher zu bringen. Bei der Tafelrunde werde ich dann sehen, ob ich ihn unter meine Obhut bringen kann.

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